Eine Spezialität, die Eberesche

Eberesche

Jetzt sind sie langsam wieder erntereif – die Beeren der Eberesche (Sorbus aucuparia). Jedenfalls, wenn man noch etwas davon abbekommen möchte. Die Vögel sind schon fleißig bei der Ernte und es geht meist sehr schnell, bis die Bäume leer sind. Sie werden auch Vogelbeeren genannt und gelten weitverbreitet als giftig, sind sie aber nicht.

Giftig? Erntezeitpunkt?

Richtig erntereif sind sie eigentlich erst nach dem ersten Frost. Bis dahin ist selten noch etwas an den Bäumen, die Vögel wissen die Spezialität zu schätzen. Der Frost ist wichtig, weil durch das anschließende Auftauen, ähnlich zB der Schlehe, die Früchte süßer werden. Also einfrieren und dann zur Weiterverarbeitung auftauen. Es soll auch eine süßere Variante geben (Sorbus domestica), ich friere sie in jedem Fall ein.
Die Beeren sind roh stark abführend, so entstand wohl der Volksglaube zur Giftigkeit, die Einnahme ist nicht unbedingt zu empfehlen. Beim Kochen verschwindet der Inhaltstoff, der für diese Wirkung verantwortlich ist und die Frucht bekommt dann eher eine stopfende Wirkung.

Früchte, Blätter und Blüten werden von Heilpflanzenkundigen verwendet, zB bei Nierenerkrankungen und für den Hals. Das aber bitte selbst gründlich nachlesen.

Die Pflanze ist weithin zu erkennen, sie wächst als Baum oder Busch, oft an Wegesrändern. Sie blüht im Frühjahr lange mit 5 weißen Blütenblättern und die roten Früchte, die an einer Art Dolde wachsen, sind schon von weitem gut zu erkennen. Der Name Eberesche kommt wohl unter anderem davon, dass sie Blätter wie eine Esche hat. Sie ist aber, wie viele Fruchtgewächse, ein Rosengewächs.

Das wunderbare Buch, „Die Kräuter in meinem Garten“, empfiehlt auch die Zubereitung kleinerer Mengen und da muss ich zustimmen. Sie ist eine Spezialität, die nicht jeder mag. Der Geschmack ist bitter-süß, für mich wirklich lecker und bitter sollten wir sowie alle mehr zu uns nehmen („Bitter im Mund ist der Magen gesund“).

Bei mir im Eisfach liegen schon 2 Beutel voller Früchte, die ich neulich an einem schönen Tag geerntet habe. Für die Reife bekommt man beim Zerreiben der Früchte ein Gefühl. Wenn sie mehlig weich und schön orangerot sind und die erste Vogelernte schon zu erkennen ist, dann ist der ideale Zeitpunkt. Vor dem Einfrieren habe ich sie gewachsen und von den Rispen gelöst.

In jedem Fall werde ich das Vogelbeerenmus aus dem vorgenannten Buch machen – mit wenig Wasser nach dem Auftauen weichkochen und dann durch ein Sieb streichen. Menge wiegen und mit gleicher Menge Zucker einige Minuten kochen. Anschließend in Gläser füllen. Das Mus geliert relativ schnell. Wer es wegen der bitteren Süße vorsichtiger angehen will, der kann auch einen Teil Äpfel mit verwenden.

Letztes Jahr habe ich einen Vogelbeerenlikör mit ein paar Birnen angesetzt. Der war sehr lecker. Einfrieren und aufkochen inklusive.

Bei meiner letzten Ernte hat mich doch eine Dame angesprochen, was ich denn da machen würde? „Eberesche ernten“. „Sie wissen schon, dass Vogelbeeren giftig sind?“ Leider kennt sich heute kaum noch jemand in der Natur aus.

Ich freue mich schwer auf meine Lieblingsmarmelade. Eine Spezialität für den, der es zu schätzen weiß.

Und immer ordentlich was für die Vögel übrig lassen.

Auch hier: Alles in Eigenverantwortung verwenden und probieren.

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