Gundermann (Glechoma hederacea)

Gundermann

Vorgestern habe ich die ersten Blüten vom Gundermann in meinem Garten gesehen und gleich davon genascht. Der Gundermann ist eines meiner vielen Lieblingskräuter, ihn bezeichne ich immer als „mein Freund“.

Von vielen Garten- und Rasenbesitzern verachtet, weil er sich so gerne und so schön meterlang im Beet und auf der Wiese ausbreitet. Im Rasen deutet er eher auf Pflegefehler hin, so sagte mir mal ein Gärtner.

Gundermann und Gundelrebe. Eine der wenigen Pflanzen, die zwei Namen hat, Gundermann während der Blüte und Gundelrebe während des Wachstums der Ausläufer. Im zeitigen Frühjahr zeigen sich alsbald die kleinen lilafarbenen Lippenblüten. Wenn wir kleine blaulila Blüten im Garten oder Rasen entdecken, ist das ein Zeichen, dass wieder da ist.

Später, nach der Blüte wächst die Gundelrebe, die sich schnell mal viele Meter ausbreiten kann. Erdefeu ist einer der heimischen Namen und auch der botanische Name deutet auf eine Ähnlichkeit mit dem Efeu (Hedera) hin. Ähnlich wie der Efeu breitet er sich aus, mit kleinen Wurzeln alle paar Zentimeter. Allerdings bleibt er am Boden und wächst selten mehr als knöchelhoch. Allenfalls nutzt er Nachbarpflanzen, um etwas höher zu kommen.

Es gibt ein Mittel aus der Chemieküche für den Rasen, das u. a. den Gundermann vernichtet, so sehr muss er Zierrasenbesitzern ein Dorn im Auge sein. Klein und ausbreitend. Dabei ist er relativ leicht auszumachen. Einfach dran ziehen, dann lösen sich schnell ein Meter.

Bei mir unterwuchert er allehand Büsche, ich kann ehrlich den Sinn darin nicht sehen, nackte Erde zu schaffen, die dann doch wieder bewachsen wird. Einer mit Bestandsgarantie im Garten, den ich eindämme, wenn die Flächen zu riesig werden. Ein preiswerter Bodendecker.

An meiner Kräuterhütte stehen Azalee, Flieder und Holunder und eben drunter ein riesiges Feld mit Gundermann. Er mag es feucht kühl.

Im Winter sieht er nicht so ganz appetitlich aus und die Blätter werden eher rotgrünlich, aber spätestens ab der Blüte erfreut er mein Herz. Die Blüten sehen aus wie kleine Wesen, jedenfalls in der Makroaufnahme.

Der Name Gundermann kommt von Gund und das bedeutete früher Eiter. Er war also ein wichtiges Kraut gegen Wunden und Eiter.

Noch heute kann man relativ einfach eine Hand voll Kraut nehmen, diese grob anquetschen und dann in einem Schraubglas sonnig stellen. Nach ein paar Tagen bildet sich am Grund eine Flüssigkeit – die „berühmten“ Gundelrebentropfen. Diese ggf. mit Alkohol konservieren und die dunkle Flasche in den Kühlschrank stellen. Ein gutes Wundheilungsmittel und zur Stoffwechselanregung.

Der Gundermann enthält insbesondere ätherische Öle, leider werden diese Öle nirgendwo weiter beschrieben, für mich schmecken sie fast etwas senfig, also ideal für einen Frühlingsblüher. Wenn einer der Leser genauere Informationen zum ätherischen Öl hat, bitte mir die Information zukommen lassen. Ansonsten sollen noch Bitterstoffe, Gerbstoffe, Mineralstoffe und Vitamine drinn sein.

Er schmeckt intensiv und ich nasche immer aus dem Beet oder Rasen, mal hier einen Trieb, mal dort einer. Die Empfehlung geht dahin, beim Gundermann eher mal hier, mal dort ein paar Blätter in die Frühjahrsnahrung einzubauen. Bestandteil der Gründonnerstagssuppe kann er auch werden. Ich habe auch schon eine Tinktur und einen Kräuterschnaps vom Gundermann gemacht. Vom Schnaps will selten jemand noch ein zweites Glas, er schmeckt schon recht herb gundermannig. Die Blätter sollen ihren Geschmack nach der Blüte verlieren.

Als Räucherkraut gut zu verwenden um starre Prozesse in Bewegung zu bringen, sowohl innerlich, als auch in Haus und Garten und um den Weg ins Leben zu finden. Besonders feinsinnige Menschen unterstützen seine Räucherimpulse nach außen gehen zu können.

Die Blütenessenz, gefertigt nach der Methode von Edward Bach, steht bei mir ebenso im Schrank. 7 Blüten mit einem Blatt geerntet und mit Quellwasser aufgegossen. Ein bis drei Tage in die Sonne stellen, dann dürfte die Pflanzeninformationen im Wasser gespeichert sein und dann mit kräftig gutem Schnaps aufgießen und auf dunkle Flaschen ziehen. So in etwa mache ich die Bachblüte. Sie soll gut sein bei starren inneren Prozessen und für Menschen, die alte unverarbeitete Gefühle verarbeiten wollen. Sie bringt diese Prozesse in den Fluss und stärkt Bodenhaftung und Selbstbewusstsein.

Volksheilkundlich wird der Gundermann angewendet zur Regulierung des gesamten Stoffwechsels, bei eitrigen Wunden, er ist ebenso ein gutes Lymphmittel. Daneben wirkt er entzündungshemmend und kann starre Prozesse lösen und den Organismus beleben. Im Erkältungstee soll er Schleim und Auswurf fördern und den Husten stillen.

Oder wie ich immer sage: Ein leichtes Hausmittel gegen alles/bei allem.

Im Garten verträgt er sich angeblich nicht gut mit Tagetes. Wer also Tagetes pflanzt kann vielleicht so die Bestände vom Gundermann natürlich dezimieren. Einen Versuch wäre es wert.

Vor dem Reinheitsgebot wurden allerhand Kräuter dem heimischen Bier zugesetzt, Bier mit Gundermann war besonders, auch im angelsächsischen Raum beliebt, weil es Gesundheit und Leben lange erhalten soll. Allemal besser, als das berühmte B(P)ilsenkraut.

Eine gute Alternative gegen UNerwünschtes Kraut ist oft das Verspeisen, schließlich zeigt uns der Garten mit allzu großer Gewissheit, was in der Familie / im Haus im Ungleichgewicht ist. Oft werden die Bestände geringer, wenn die Pflanzen in den Speiseplan oder als Heilmittel eingebaut werden.

Verwechslung mit anderen heimischen Pflanzen ist eigentlich kaum möglich, die herz- bis nieren/ohrenförmigen Blätter, die Gundelrebe, die Bestände und die Blüten sind für mich unverwechselbar. Manchmal wird beschrieben, dass der Gundermann mit dem Günsel verwechselt wird, dieser hat ziemlich gerade Triebe und keine langen Ausläufer.

Und wie immer: Alles was ich hier beschreibe ist aus der Volksheilkunde überliefert, von langjährigen Anwendern ausprobiert worden und kann für die Erhaltung/Wiedererlangung der Gesundheit genutzt werden. Für die Einbeziehung der heimischen Natur in sein Leben ist es immer notwendig, sich ausreichend mit den Pflanzen und deren Anwendung zu beschäftigen, um diese in Eigenverantwortung zu verwenden.

Der Gundermann
Der Gundermann

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