Heilpflanzen – oder Kräuterernte

Heilpflanzen

Es ist verzwickt, seit Jahren schon möchte ich eine Tinktur von der Wegwarte machen und noch kein einziges Mal ist mit eine in guter Qualität begegnet.

Sie wachsen oft an den schlechtesten Stellen.

Am Liebsten hätten wir ja alle nur Kräuter von den schönsten Almwiesen, die außer uns noch nie einer betreten hat. Und sowieso, sie blühen dann alle, wenn wir gerade da sind.

Und wo finden wir oft die schönsten Kräuter? Auf der Geröllhalde, am Mittelstreifen der Autobahn oder einem Hundepissplatz. Als Hundebesitzer schaue ich schon sehr genau auf den Standort und die Pflanze, bevor ich entscheide, dass die Pflanze gut für meine Ernte ist. Andere Menschen sind da weniger pingelig und haben den Standpunkt, dass, wenn Pflanzen an einem unwirtlichen Standort wachsen besonders heilkräftig seien. Aber das ist nicht meins.

Wenn man den alten Heilkräuterkundigen vertraut, dann wächst alles was wir brauchen direkt in unserer unmittelbaren Nähe (im Garten oder auf dem Balkon – wir müssen es nur wachsen lassen).

Aber so ist es nicht immer. In meinen Anfangszeiten habe ich verzweifelt nach Brennnesseln gesucht, fand dann endlich im März an der Düssel eine Stelle, ohne wahrzunehmen, dass nur 5 Meter entfernt eine Straße verlief.

Zurück zur optimalen Kräuterernte. Es fängt immer mit der Frage an „Welcher Pflanzenteil zu welcher Jahreszeit?“. Blüten, Blätter und Kraut eher im Frühling oder Sommer und Wurzeln im Winter oder zeitigen Frühling. Ein Sammelkalender kann hilfreich sein, ebenso das markieren einer Stelle, um später noch mal wieder zu kommen.

Ich möchte Wegwartenblüten, sie blühen von Juli bis Oktober, also wäre jetzt noch ein guter Zeitpunkt für die Suche und Ernte.

Die meisten Blühpflanzen werden am Besten in der Mittagszeit an einem sonnigen Tag geerntet, bei den Pflanzen mit den ätherischen Ölen sind dann zB die meisten Wirkstoffe in der Pflanzen, logisch, die äth. Öle sind ja oft der Sonnenschutz.

Aber wenn ich die schönste und größte Wiese mit Mädesüß finde und es ist eher feucht und 8 Uhr morgens, dann muss halt etwas Kraut mit. Wer weiß, wann ich da wieder hinkomme. Sowieso ernte ich gerne nach dem Regen, dann sind die Kräuter schön sauber.

Zum Ernten und Verarbeiten nehme ich ein Keramikmesser, habe sogar ein Taschenmesser mit Keramikklinge. Warum? Von den alten Heilkräuterkundigen ist übermittelt, dass sie „sine ferrum“ geerntet habe sollen, also ohne Eisen. Für Kräutersammler sind nicht nur das Pflanzenmaterial und die Inhaltsstoffe von Bedeutung, sondern auch die Vitalität der Pflanze und der Pflanzengeist. Letzterer soll sich bei der Verarbeitung mit Eisen von der Pflanze trennen (Strom?).

Die alten Heilkundigen hatten keine Keramikklinge, aber auch kein Eisenmesser. Sie benutzten eher Stöcke und Geweihe, vielleicht ein Kupfermesser. „Miraculix“ aus den „Asterix und Obelix“ Comics ernte immer mit einer goldenen Sichel.

Ich bin nicht feinstofflich genug unterwegs, um so etwas spüren zu können, aber dennoch kann ich mir vorstellen, dass geringste Mengen vom Eisenabrieb Auswirkungen auf die Pflanzen und die Qualität meiner Heilpflanzenprodukte haben können.

Es gibt Menschen, die nähern sich Heilpflanzen in Richtung Westen und Giftpflanzen in Richtung Osten (Richtung Sonnenaufgang/Sonnenuntergang), sie fragen die Pflanze, ob sie ernten dürfen und was. Sie machen daraus ein Ritual, lassen hinterher noch etwas für die Natur zurück (zB in Form von Kupfermünzen).

Das muss jeder selber wissen, aber es macht schon Sinn, sich respektvoll der Natur zu nähern, die Pflanze mit Bedacht auszuwählen und sie behutsam in positiver Stimmung zu ernten, denn die Absicht, mit der wir die Pflanze verarbeiten geht auch in das spätere Produkt über.

Erst mit den Jahren bekommen wir ein Gefühl dafür, was wir wirklich brauchen und in welcher Menge. Dann sammeln wir sowieso nur noch ganz behutsam und in bester Qualität.

Das nicht verbrauchte Pflanzenmaterial gebe ich spätestens im kommenden Jahr zur Sommersonnenwende zurück in die Natur, ins Beet, ins Feuer oder auf den Kompost. Denn mehr, als für ein Jahr brauchen wir eigentlich nie zu ernten.

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