Ölauszüge

Ölauszüge

Was viele gar nicht wissen, in einer ganzen Reihe von Körperpflegeprodukten steckt Öl. Im Idealfall feines Mandel- oder Avocadoöl, als gute Basis Oliven-, Raps- oder Sonnenblumenöl. Im schlechtesten Fall irgendein Mineralölprodukt. Letzteres ist immer häufiger zu finden, weil preiswert.

Wir können also dem Grunde nach jedes Öl aus dem Supermarkt für die Körperpflege benutzen. Sollten wir sogar meines Erachtens, aber bitte mindestens in Bioqualität. Ich benutze Olivenöl für die Füße und Kokosöl als Deo, Lippenpflege usw.

Zur Herstellung von Cremes und Salben, für Einreibungen oder tw. zur innerlichen Einnahme sind Ölauszüge eine gute Möglichkeit eines der genannten Öle mit dem Guten von Kräutern und Heilpflanzen zu versehen.

Ölauszüge lösen fettlösliche Wirkstoffe, insbesondere Carotinoide, ätherische Öle und Phytosterole.

Ähnlich der {Tinktur} werden die gewählten Pflanzenteile, möglichst mit dem Keramikmesser, grob klein geschnitten und dann mit reichlich Öl übergossen. Das Kraut sollte schön schwimmen.

Ölauszüge sind insgesamt etwas pflegeintensiver als Tinkturen. Warum? Alkohol konserviert, was im Öl nur bedingt passiert. Außerdem beinhalten die Pflanzenteile viel Feuchtigkeit, sprich Wasser. Durch die Feuchtigkeit und die deutlich schlechtere Konservierung können Ölmazerate wesentlich schneller schimmeln und auch ranzig werden.

Die Haltbarkeit des Öls (siehe Flaschenaufdruck) beeinflusst auch die Haltbarkeit des Mazerats. Also beim Einkauf immer drauf achten, dass das Öl noch möglichst lange haltbar ist. Wobei bei mir eher die Riechprobe entscheidend ist.

Ölauszüge sind täglich zu schütteln und am Besten auch täglich zu belüften – also den Deckel aufmachen und Feuchtigkeit entweichen lassen. Sonst bleibt ein großer Teil der Feuchtigkeit der Pflanze über den gesamten Auszugszeitraum im Glas und nach der Abfilterung ist er immer noch im Öl. Es ist gut möglich, statt des Deckels ein Stück Gaze (gevierteltes Stück Küchenpapier) drauf zu legen und dieses festzubinden. So kann Feuchtigkeit permanent entweichen und nichts reinfliegen. Dann nur Vorsicht beim Schütteln.

Meine Ölauszüge stehen immer eine Mondphase – also rund 4 Wochen, möglichst sonnig. Danach durch einen Kaffeefilter oder ein Stück Küchenpapier abfiltern. Wenn das Ergebnis noch nicht zufriedenstellend ist (Aussehen des Öls, Reststoffe), noch ein zweites Mal filtern.

Ist zu viel Feuchtigkeit drin (schlieriger Film) kann mittels grobem Steinsalz die Feuchtigkeit rausgezogen werden. Bei Schimmel oder ranzigem Öl – weggießen und zukünftig die Verarbeitungsqualität erhöhen.

Möglichst sauber arbeiten, also mit sauberen gründlich geputzten Gläsern und Zubehör, damit das Öl lange mit guter Qualität haltbar bleibt. Das Öl in dunkle Flaschen geben, beschriften, dunkel und kühl lagern. Meine Ölauszüge stehen im Sommer im Keller.

Ich kann diese jetzt pur auf der Haut benutzen, als Massageöl, für Körper- und Gesichtspflege, für Heilpflanzenanwendungen oder zu Salben und Cremes weiterverarbeiten. Zur Konservierung nehme ich allenfalls einen guten Stoß 70 % Alkohol aus der Apotheke in Glas und Deckel.

In Kürze:

• Pflanzenmaterial grob klein schneiden
• in ein Glas geben
• mit Öl übergießen
• sonnig stellen (Fensterbank)
• täglich schütteln und lüften
• nach rund 4-6 Wochen abgießen
• ansehen, riechen
• in dunkle Tropfflaschen geben
• beschriften (am Besten auch ein Hinweis auf das Auszugsöl)
• kühl lagern
• Haltbarkeit beachten

Ich persönlich nehme oft Rapsöl, weil es für mich am Neutralsten ist. Sonnenblumenöl hat einen tiefen Grundgeruch, den ich nicht so gerne mag. Wenn es nach mir ginge, dann würde meine Wahl fast immer auf Mandelöl fallen, aber kaltgepresstes Mandelöl ist einfach eine Kostenfrage. Für das Rotöl oder die Ringenblumenblütenblättersalbe gerne auch mal Olivenöl.

Eine Abwandlung ist der schnelle Auszug von Pflanzenteilen im warmen Öl. Öl wird im Wasserbad erwärmt. Pflanzenteile hinzugeben und lange – bis zu 2-3 Stunden simmern lassen. Das wäre etwas für einen anderen Artikel.

Vorenthalten möchte ich auch nicht den Auszug in gutem Schweineschmalz. Das ist nicht unbedingt mein Ding, hat aber Vorteile. Dadurch, dass Mensch und Schwein einander sehr ähnlich sind, kann unser Körper das Schweineschmalz besonders gut aufnehmen.

Bekannte Ölauszüge sind zB das Rotöl aus Johanniskraut(blütenknospen) – Achtung: Lichtempfindlichkeit, Ringelblumenblütenöl, Schafgarbenöl, Aloe-Vera-Öl oder auch Arnikaöl. Ich habe auch schon Lavendel-, Rosmarin-, Königskerzen-, Kamillen-, Ackerstiefmütterchen und Beinwellwurzelöl gemacht.

Und ein schönes Kräuteröl für die Küche kann aus einer Hand voll Gartenkräutern dem Grunde nach genau so hergestellt werden und ist lecker. ZB 2. Chilischoten, 2 Knoblauchzehen, ein Zweig Rosmarin, einer vom Thymian und einer vom Bohnenkraut mit Olivenöl aufgegossen. Yummie.

Wie immer alles in Eigenverantwortung.

Bilder: Ansatz vom Johanniskraut-Rotöl, verschiedene Verarbeitungsschritte vom Ringelblumenöl, Schafgarbenöl

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