Tinkturen

Tinkturen

Die Inhaltsstoffe von Heilpflanzen können auf verschiedene Weise haltbar gemacht werden. Eine davon ist die Tinktur (lat. tinctura – das Färben). Für mich hat das viele Vorteile, insbesondere eine relativ lange Haltbarkeit und die Verfügbarkeit zu jeder Jahreszeit.

Mittels Mazeration (lat. macerare – einweichen) werden die Inhaltsstoffe der Pflanze in Alkohol ausgezogen.

Erster Schritt ist die Auswahl der Pflanzen (Welcher Teil zu welcher Jahreszeit?). Danach wird das gesäuberte Kraut, die Blüte, die Wurzel, die Nadeln, das Harz, das Holz oder was auch sonst immer in die Tinktur gehen soll (nennen wir es im folgenden Kraut) mit dem Keramikmesser grob zerkleinert und mit hochprozentigem Alkohol übergossen.

In der Regel verwende ich Frischpflanzen, manchmal aber auch Kraut, das getrocknet ist, sei es weil es vorher anzutrocknen ist (wie z. B. Steinklee) oder aus der Apotheke als Tee, weil schwer verfügbar. Tinkturen aus frischem Pflanzenmaterial werden auch als Urtinktur bezeichnet. Ich versuche nur beste Pflanzenteile zu verwenden: Standort, Aussehen usw.

Für fast alles wird bei mir 37,5 %er Wodka verwendet, manchmal auch Primasprit oder Weingeist mit 70 %, insbesondere für Wurzeln und Harze.

TinkturenWenn der Apotheker Tinkturen herstellt, dann werden diese meiner Kenntnis nach nur aus getrocknetem Kraut ausgezogen, das Mischungsverhältnis bestimmt sich nach dem DAB (Deutsches Apothekerbuch). Übliche Mischungsverhältnisse liegen bei 1 Teil Kraut zu 2 Teilen Alkohol, bis 1 Teil Kraut zu 5 Teilen Alkohol. Der Alkohol ist dort 70 %er Weingeist. Dazu aber bitte nachlesen oder den Apotheker fragen.

Mein Mischungsverhältnis ist Pi mal Daumen, als Anhänger eher vitalistischer Prinzipien, was die Verwendung von Pflanzen zur Erhaltung meiner Gesundheit angeht glaube ich, dass der Körper sich das aus der Tinktur nimmt, was er braucht, um gesund zu bleiben. Ich hatte einen Heilpflanzenlehrer, der das so vermittelt hat und für mich stimmt das auch genau so. Bei 1 Teil Kraut zu 5 Teilen Alkohol ist man aber sicher auf der sicheren Seite.

Das Kraut wird nach der Zerkleinerung in ein Glas gegeben und mit Alkohol übergossen.

Deckel drauf, sonnig stellen und täglich schütteln.

TinkturenDie Tinktur löst viele Inhaltsstoffe während der Mazeration aus dem Kraut, wie z. B. viele Flavonoide und Carotinoide, aber auch Alkaloide, Glykoside, Saponine, einige Bitterstoffe und ätherische Öle. Es lohnt der Blick in die Inhaltsstoffe der Ursprungspflanze, um zu sehen, was denn in die Tinktur wandert. Unverträglichkeiten beachten. Die Dauer der Mazeration hängt von der Beschaffenheit des Krautes ab:
• zarte Blüten und Blätter 2-4 Wochen,
• kräftige Blüten und Blätter und ganzes Kraut 2-5 Wochen,
• Wurzeln, Rinden und Hölzer 4-8 Wochen und
• Harze bis zu 6 Monate.
Die meisten Tinkturen stehen bei mir eine Mondphase (4 Wochen). Ich habe ein Gefühl dafür entwickelt, wann sie fertig sind.

TinkturenDanach abfiltern (Kaffeefilter, ich nehme ein Blatt Küchenpapier), in dunkle z. B. Pipettenflaschen füllen, beschriften und dunkel stellen. Ich kenne auch Menschen, die das restliche Kraut noch mal für wenige Tage mit Alkohol übergießen, schließlich ist in dem Pflanzenrest immer noch so viel Wirkstoff, wie im Mazerat und wieder andere lassen das Kraut permanent im Alkohol. Das ist Geschmackssache, aber dafür entwickelt jeder sein eigenes Gefühl.

Meine Tinkturen sind weitgehend Einzeltinkturen, so bin ich mit dem Pflanzenauszug flexibler, aber ich mache auch Mischtinkturen, wie z. B. die Windtinktur oder die Immuntinktur.

TinkturenIn den ersten Jahren habe ich unglaublich viele Tinkturen und in größerer Menge gemacht. Das ist normal, denn wenn du anfängst, dich mit der Heilpflanzenkunde zu beschäftigen, hast du keine Ahnung, was du genau brauchen könntest. Erst über die Erfahrungen der Jahre entwickelt sich ein Gefühl, was öfter gebraucht wird oder nur ganz wenig. Dann wird der Alkohol hochqualitativer, das Pflanzenmaterial edler und die Flaschen kleiner.

Ich nehme die Tinktur pur ein oder mit Wasser verdünnt, als Mischung, tue sie in den Tee (Deckel drauf, damit die äth. Öle nicht verfliegen), direkt auf die Haut, ins Badewasser, Fußbad, die Salbe und und und. Deswegen ist die Tinktur so schön flexibel. Das was nicht innerlich angewendet werden dafür auch bitte nicht innerlich verwenden.

Auch die Einnahmemenge muss jeder selber finden, von manchen Tinkturen nehme ich eine oder zwei Pipetten voll, von anderen nur wenige Tropfen.

TinkturenKeine Heilpflanze eignet sich für die Daueranwendung, auch nicht die Tinktur. Ich habe gelernt, lieber wenige Tage etwas zu nehmen oder zu mischen und dann auf die Wirkung zu vertrauen. Bei akuten Beschwerden kann das aber auch mal ganz anders sein. Ich verwende Tinkturen nur für mich selbst, hier stehen also alle meine eigenen Erfahrungen. Wer Tinkturen herstellen möchte, der sollte diese in Eigenverantwortung für sich selbst tun. Es ist unbedingt sinnvoll bei anhaltenden Beschwerden oder Unsicherheit den Arzt zu konsultieren.

Jetzt noch die Rezepte für die Immuntinktur – Angelikawurzel, Wasserdostkraut, Mädesüßkraut und Brunnen- oder Kapuzinerkressenkraut jeweils im gleichen Verhältnis

„Windtinktur“ bzw. blähungswidrige Tinktur, Fenchel, Kümmel, Anis und Dill – jeweils als Früchte bzw. Samen, leicht andrücken im gleichen Verhältnis verwenden.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *