Wurzeln

Wurzeln

Seit ich mich mit der Natur und den Pflanzen beschäftige, habe ich auf so manches einen ganz anderen Blick bekommen.

Pflanzen sind gar nicht so immobil, wie wir immer denken. Klar bleiben sie oft lange an ihrem Standort. Aber es ist zu hören, dass es Pflanzen schaffen, quer durchs Beet zu wandern, weil ihnen ein anderer Standort besser passt. Oder einfach nur etwas weiter weg vom Nachbarn, der ihnen in die Quere kommt. Die Wurzeln ziehen den Ausläufern nach.

Eigentlich sind die meisten Pflanzen für mich unterirdische Lebewesen, d. h., der wichtigste Teil der Pflanze ist die Wurzel. Hier wird das Leben dauerhaft geführt und hier hält sie sich fest. Klar, der obere Teil ist auch wichtig, aber eher für Licht- und Nahrungsaufnahme oder die Fortpflanzung. Wurzeln können ganz winzig klein sein, ganz tief in die Erde gehen (Löwenzahn) oder in eine riesige Breite (Brennnessel oder Schafgarbe).

Die Wurzel ist das Beständige der Pflanze und im Winter ziehen sich viele in die Erde zurück.

So tut es mir heute auch nicht mehr so arg weh, wenn ich mal eine Pflanze runterschneiden muss oder aber einen Trieb reduziere, denn die Wurzel hat die Kraft viele neue Triebe zu bilden.

In der Heilpflanzenkunde sind viele Pflanzenteile verwendbar. Im Frühling die jungen Triebe, im Sommer Blüten und Kraut und im Spätherbst oder frühen Frühling die Wurzeln.

Erntezeit bei den Wurzeln ist für mich die Zeit, in der die Pflanze sich mit all ihren Inhaltsstoffen in die Erde zurückgezogen hat oder, wenn die Kraft des Frühlings sich schon langsam entfaltet. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass direkt im Winter keine Wurzeln geerntet werden sollen, weil die Pflanzen sich in der Winterruhe befinden. Für manche Heilkundige ist das schon die Zeit nach Samhain /Allerheiligen, also bereits nach dem 1.11. Letztes Jahr hat mir einen Freundin einen Teil einer Angelikawurzel geschenkt, die während der Rauhnächte geerntet wurde. Wow, hatte die einen Wumms. Und ich habe auch schon mal eine Wurzel im Sommer ausgegraben.

Manche Wurzeln, wie zB der Beinwell sind teilbar, andere, wie zB die Angelika nicht. Allgemein wird empfohlen, Wurzeln in feuchter Erde eher mit dem abnehmenden Mond auszugraben. Und bitte einen Bestand nicht völlig abernten.

Ich hatte mir im letzten Jahr den Standort von Beinwell im Sommer gemerkt und dann zur passenden Zeit ein entsprechendes Stück der Wurzel für eine Salbe ausgegraben. Und Achtung: Nicht die Wurzeln mit denen der Nachbargewächse verwechseln.
Zum Ausgraben verwendet Storl ein Geweih, ich habe eine Kupferschaufel. Storl gibt eine Kupfermünze in die Erde, als Dank und zur Mineralstoffversorgung. Rituale bei der Kräuterernte sind schon wichtig. Aber da muss jeder sein eigenes Handeln finden.

Zum Reiben von Wurzeln kann es sich anbieten, diese vorher tiefzukühlen, wie zB bei Ingwer, Meerrettich oder Beinwell.

Aus den Wurzeln können wir allehand herstellen, wie zB Tees, Öle, Tinkturen, Pulver und vieles mehr. Immer daran denken, dass viele Wurzeln durchaus recht feucht sind. Den Beinwell trockne ich sanft auf der Fensterbank mit der warmen Heizung drunter oder im Herd bei 40 Grad. Und das Beinwellöl muss sehr gut gepflegt werden. Also jeden Tag rühren und lüften. Ich habe statt des Deckels Gaze oben auf das Glas gespannt und das dann auch oberhalb der Heizung ausziehen lassen. Sonst schimmelt es verflixt schnell.

Am Ende noch eine Liste von Kräutern, für die sich die Wurzelernte lohnen könnten: Alant (toller Räuchergeruch), Angelika, Baldrian, Beinwell, Bibernellwurzel, Braunwurz, Blutwurz, Brennnessel, Eibisch, Echinacea, Hauhechel, Ingwer, Iris, Kalmus, Karde, Klette, Löwenzahn, Meerrettich, Möhre, Nachtkerze, Nelkenwurz, Pastinake, Pestwurz, Quecke, Süßholz, Topinambur, Walderdbeere, Wegwarte, Zwiebel. Die jeweilige Anwendung bitte nachlesen.

Und: Immer alles in Eigenverantwortung ausprobieren. Beim Beinwell möge jeder selbst entscheiden, ob er ihn verwendet.

2 Meinungen zu “Wurzeln

  1. Hallo Birgit Marita,

    Angelikawurzel habe ich nur mal im Sommer geerntet, weil das damals mein erster Fund war. Sie sind ja 2 jährig und müssen dann im Herbst des ersten Jahre geerntet werden. Nach der Blüte sterben sie.

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